Die Wassertemperaturen haben in den letzten Wochen in vielen niederösterreichischen Flüssen Rekordwerte erreicht. Auch der Kamp blieb nicht verschont. Die Messstelle Stiefern im Unterlauf registrierte Spitzenwerte bis 29 Grad. Für Bachforellen sind solche Temperaturen nicht nur stressig, sondern lebensbedrohlich.

Bachforellen sind Kaltwasserfische. Sie können Temperaturschwankungen bis zu einem gewissen Grad ausgleichen, aber ihr gesamter Stoffwechsel ist auf kühles, sauerstoffreiches Wasser ausgelegt. Wird das Wasser zu warm, steigen Sauerstoffbedarf, Herz-Kreislauf-Belastung und Energieverbrauch gleichzeitig an.
Warum Temperatur eine zentrale Rolle für Fische spielt
Warmes Wasser enthält weniger gelösten Sauerstoff als kaltes Wasser. Gleichzeitig benötigt die Forelle bei höheren Temperaturen mehr Sauerstoff, weil ihr Stoffwechsel schneller läuft. Genau diese Kombination macht Hitzeperioden so problematisch: Der Bedarf steigt, während das Angebot sinkt.
Dazu kommt, dass hohe Temperaturen meist in Kombination mit anderen Stressfaktoren auftreten. Niedrige Wasserstände, geringe Strömung, fehlende Beschattung, organische Belastung und nächtlich schwache Abkühlung verschärfen die Situation. Entscheidend ist deshalb nicht nur der absolute Spitzenwert, sondern auch, wie lange die hohen Temperaturen anhalten und ob Rückzugsräume erreichbar sind.
Was passiert mit Bachforellen bei Temperaturen über 20 Grad?
Schon deutlich unterhalb tödlicher Temperaturen verändert sich das Verhalten von Bachforellen. Sehr häufig kann man Standplatzwechsel beobachten, die Fische konzentrieren sich dann oft in Riffles, in denen verstärkt Sauerstoff eingetragen wird oder aber auch in Bereiche mit Kaltwassereinträgen. Wenn möglich wandern die Fische auch flussauf, da hier die Temperaturen meist niedriger sind. Aktivität und Nahrungsaufnahme werden zunehmend reduziert, Energie wird gespart.
In der Literatur werden für Bachforellen optimale Temperaturen meist deutlich unter 20 Grad beschrieben. Oberhalb davon nimmt der Stress zu, und ab etwa 20 bis 22 Grad wird es für viele Populationen kritisch, besonders wenn die Temperaturen über längere Zeit anhalten oder die Sauerstoffversorgung schlecht ist. Man muss hier aber davon ausgehen, dass die Toleranz stark von der Gewässerstruktur, der Akklimatisation und den vorhandenen Rückzugsräumen abhängt.
| Temperaturbereich | Zustand der Forelle | Hinweise für Angler |
|---|---|---|
| unter 13°C | Optimal | Ideale Bedingungen für Aktivität, Wachstum und Regeneration |
| 13–17°C | Sehr gut | Ausgezeichnete Fischereibedingungen, normale Aktivität |
| 17–20°C | Befriedigend | Moderate Aktivität, erste Stressanzeichen bei länger anhaltenden Wärmeperioden |
| 20–24°C | Stressbereich | Deutlich erhöhter Stress, reduzierte Aktivität, schwächere Regeneration nach Drill. Fischen auf Salmoniden sehr kritisch zu hinterfragen, an der Obergrenze nicht mehr vertretbar. |
| 24–27°C | Kritisch | Akuter Hitzestress, Fische in Überlebensmodus. Fischereilich absolut nicht vertretbar |
| über 27°C | Lebensbedrohlich | Extreme Situation mit hohem Ausfallrisiko. Fischen absolut nicht vertretbar |
Ein Thermometer gehört in jede Angelweste. Besonders gut eignen sich wasserdichte Bratenthermometer.
Spitzen mit 28 Grad im Unterlauf am Kamp
Temperaturen über 28 Grad liegen weit außerhalb dessen, was Bachforellen dauerhaft tolerieren können. Diese Extremwerte traten im Unterlauf des Kampes auf, der grundsätzlich aufgrund seiner Struktur und des üblichen Temperaturverlaufs kein geeignetes Bachforellenhabitat mehr darstellt. Wenn überhaupt, ist die Bachforelle in diesem Bereich nurmehr als Begleitart zu sehen. Aber auch für die dort häufig vorkommenden Fischarten ist die Situation kritisch. Aber auch im Mittellauf und Oberlauf des Kampes würden Extremwerte von bis zu 25 Grad erreicht, welche die dort vorhandene Bachforellenpopulation sicherlich massiv unter Stress gesetzt haben.

Die Mortalität hängt stark von Dauer, Akklimatisation, Sauerstoffgehalt, Fischgröße, Gesundheitszustand und vorhandenen Kaltwasserrefugien ab. Ein kurzzeitiger Peak kann überstanden werden, wenn die Fische rasch in kühlere Zonen ausweichen können. Bleibt das Wasser über Stunden oder Tage extrem warm, steigt das Risiko für Ausfälle deutlich.
Was weiß man zur Mortalität bei hohen Temperaturen?
Labor- und Freilandstudien zeigen, dass es für Bachforellen keinen fix definierten Wert gibt, ab dem sie sterben. Die letale Temperatur ist kein einzelner Wert, sondern hängt davon ab, wie lange die Fische der Hitze ausgesetzt sind und an welche Temperaturen sie zuvor angepasst waren.
Bei sehr hohen Temperaturen kommt es zuerst zu starkem Stress: Die Fische verlieren Reserven, werden anfälliger für Krankheiten, reagieren schlechter auf zusätzliche Belastungen und erholen sich nach Drill oder Handling deutlich schlechter. Mortalität kann deshalb auch verzögert auftreten, selbst wenn ein Fisch zunächst wieder wegschwimmt.
Besonders kritisch wird es, wenn hohe Temperaturen mit geringem Sauerstoffangebot zusammentreffen. Dann reicht oft eine zusätzliche Belastung, etwa Flucht, Fang, längeres Drillen oder Hantieren außerhalb des Wassers, um die Überlebenschancen stark zu verschlechtern.
Was bedeutet das für die Fischerei?
Bei Bachforellen sollte die Grenze klar gezogen werden: Fischen bei über 20 Grad Wassertemperatur ist aus meiner Sicht nicht vertretbar. Ab diesem Bereich stehen die Fische bereits unter deutlichem physiologischem Stress, und jede zusätzliche Belastung kann ihre Überlebenschancen verschlechtern. Bei Extremwerten wie den über 28 Grad an der Messstelle Stiefern sollte auch die Fischerei auf andere Arten eingestellt werden.
Das gilt auch oder vor allem dann, wenn Fische wieder zurückgesetzt werden sollen. Die Überlebenschancen nach dem Fang sind bei hohen Temperaturen nochmals deutlich reduziert. Wer Bachforellen erhalten will, muss Temperatur als zentralen Lebensraumfaktor ernst nehmen.
Was hilft dem Gewässer langfristig?
Kurzfristig helfen vor allem Rücksicht und das Erkennen kritischer Situationen. Langfristig geht es um Beschattung, Ufergehölze, strukturreiche Gewässer, funktionierende Nebengerinne, kühle Zuflüsse, ausreichende Restwasserführung und den Schutz tieferer oder grundwasserbeeinflusster Rückzugsräume.

Ein oft unterschätzter Faktor ist die Möglichkeit, flussaufwärts auszuweichen. In vielen Fließgewässern ist das Wasser weiter oben, näher an Quellen, Zuflüssen oder stärker beschatteten Abschnitten, zumindest zeitweise kühler. Wenn Querbauwerke diese Wanderung blockieren, verlieren Bachforellen genau jene Ausweichräume, die in Hitzeperioden überlebenswichtig sein können. Funktionierende Fischaufstiegshilfen sind deshalb nicht nur für Laichwanderungen relevant, sondern auch für thermische Rückzugsbewegungen.
Die hohen Werte an der Messstelle Stiefern sind deshalb mehr als eine Momentaufnahme. Sie zeigen, wie verletzlich auch vertraute Gewässer in Hitzeperioden werden können. Wer Bachforellen erhalten will, muss Temperatur als zentralen Lebensraumfaktor ernst nehmen.
Fazit: Hitze ist Stress
Bachforellen sterben nicht erst dann, wenn ein Gewässer sichtbar kippt. Kritisch wird es viel früher: wenn Temperatur, Sauerstoff, Dauer der Belastung und fehlende Rückzugsräume zusammenkommen. Spitzen über 28 Grad am Kamp sind deshalb ein deutliches Warnsignal.
Für naturnahe Fischerei bedeutet das: Wasser nicht nur lesen, um Fische zu finden, sondern auch, um Belastungsgrenzen zu erkennen. Manchmal ist der beste Beitrag zum Bestand, die Rute bewusst im Futteral zu lassen.
Quellen und weiterführende Literatur
- Elliott, J. M. (1994): Quantitative Ecology and the Brown Trout. Oxford University Press.
- Elliott, J. M. & Elliott, J. A. (2010): Temperature requirements of Atlantic salmon Salmo salar, brown trout Salmo trutta and Arctic charr Salvelinus alpinus: predicting the effects of climate change. Journal of Fish Biology, 77, 1793-1817.
- Jonsson, B. & Jonsson, N. (2011): Ecology of Atlantic Salmon and Brown Trout: Habitat as a Template for Life Histories. Springer.
- Crisp, D. T. (1996): Environmental requirements of common riverine European salmonid fish species in fresh water with particular reference to physical and chemical aspects. Hydrobiologia, 323, 201-221.
- Beschta, R. L. (1997): Riparian shade and stream temperature: an alternative perspective. Rangelands, 19(2), 25-28.
- Land Niederösterreich: Messstelle Kamp / Stiefern, Wassertemperaturdaten der letzten Tage.
